Korea Auslandssemester: Eine lange Reise beginnt
26.08.2022 - 09.01.2023
Das Abenteuer beginnt...
26.08.2022 - Freitag
Alles beginnt mit dem Korean Air Flug KE906
- von Frankfurt (19:40)
- nach Incheon 14:05 + 1
über 11:25 Stunden.
Die Filme „Dune“, „Morbius“ und „Detective Pikachu“, gepaart mit Aufregung und Vorfreude, sowie zahlreiche technische Geräte verhalfen zu einem kurzweiligen Flug in den zu kleinen Sitzen der koreanischen Airline. Die Getränkeflatrate und leckeren 3 Fluggerichte wurden auch gerne gesehen.
27.08.2022 - Samstag
Ich lande ohne Probleme in Incheon. Durch die Zeitverschiebung von -7 Stunden nach Deutschland bin ich nun ein Zeitreisender in der Zukunft. Nach dem langen Flug wird erstmal ins bereits gebuchte GL-City-Hotel Incheon gereist. Dort hin fährt mich ein gelbes Taxi (die schwarzen Taxen sind teurer) für 20.000₩ innerhalb 20 Minuten.
Der Umrechnungskurs von KRW (₩) zu Euro ist übrigens ca. 1€ = 1200₩.
Im Kopf verlief eine Preisnachvollziehung dann in etwa so: 20.000₩ => 20 => ~16€
Am Flughafen und abends bei einer ersten Essensbestellung stelle ich gleich zu Beginn des Abenteuers fest: Die Koreaner können leider weniger Englisch als erhofft. Trotzdem schafft man mit Händen und Füßen, eine ordentliche Portion Hühnchen für 5€, sowie nachts in einem der vielen „convenience stores“ eine „T-Money“ - Karte zu ergattern. Danach wird erstmal der Jetlag auf den Sonntag ausgeschlafen. Wobei Reisetipp für Studenten: Man kann keinen Jetlag bekommen, wenn der eigene Schlafrythmus sowieso nichtmehr zu retten ist.
Auf nach Daegu
Ich verlasse Incheon zunächst zur Seoul Station. Von der Millionenmetropole geht´s aber (zunächst) direkt wieder mit dem am Schalter vor Ort gebuchten „KTX“ – Schnellzug weiter. Dieser transportiert uns mit 300 km/h direkt nach Daegu.
- Daegu ist die drittgrößte Stadt Koreas mit 2,5 Millionen Einwohnern.
- Busan folgt auf Platz 2 mit 3,4 Millionen
- Seoul (+ Incheon) ist mit mehr als 10 Millionen unangefochten!
Am „Dongdaegu“ Bahnhof werde ich zusammen mit meinem Freund Samuel von meinem koreanischen Buddy "임동혠" abgeholt. Er stellt sich uns mit dem Namen „Lim“ vor und führt uns durch das Busgeschehen zum Universitätscampus. Junge, ist das alles riesig.
Lim hilft uns hier erst einmal dabei, unser Dormitory zu finden und einzuchecken. Für das eigene Zweierzimmer inkl. Bad bekommt jeder eine Schlüsselkarte, mit der sich Eingänge des Dormitory Gebäudes und das eigene Zimmer öffnen lassen. Ich teile mir für das Semester das Zimmer mit Samuel und wir finden ein gewöhnungsbedürftig kleines, leicht dreckiges Zimmer im 3. Stock des Dormitories, namentlich „Cheomsong-Gwan“, vor: Zimmer 1-314. Aber hey - hier wird sowieso nur geschlafen.
Anschließend gehen Samuel & Ich mit Lim zusammen über den riesigen Campus der KNU. Er zeigt uns allgemein wichtige Räumlichkeiten, wie z.B. Bibliotheken & Cafeterien, aber auch zu unseren bereits in Deutschland gewählten Kursen die Gebäude und Lehrräume zu denen wir gehen müssen. Auch bekommen wir mehrere Apps der KNU gezeigt, in denen man
- seine Hausaufgaben & Noten erhält
- Zugänge zu bestimmten Gebäuden über QR – Codes erhält
- allgemeine Universitätsinfos erhält
- Dormitoryinfos erhält
Ich versuche verzweifelt, mir das Alles zu merken oder aufzuschreiben.
Abends gehen wir zu dritt noch in die Stadt zu einem Willkommens-Abendessen und das Nötigste für erste Einrichtung des Zimmers kaufen. Wir kaufen Bettbezüge, Wäscheständer, Kleiderhaken, Haken fürs Bad, Klopapier, diverse Mülleimer, usw. Auch bestellen wir uns eine LED-Kette zur Beleuchtung des Zimmers, denn die Krankenhaus-Zimmerlampe hier ist unglaublich grelles weißes Licht mit Kopfschmerzgarantie.
Die ersten Tage
29.08.2022 – Montag
Heute begleiten wir Lim noch einmal die restlichen Darmstädter, Cedric & Stefan, abholen und auf ihrer Campustour. Zusammen gehen wir noch einiges Zeug für das Zimmer nachkaufen.
Am Abend haben wir uns in dieser Fünferkonstellation dann mit einigen weiteren Internationals und Samuels Buddy „Moon“ getroffen.
Je zwei Austauschstudenten, selbstgetauft „Internationals“, haben durch die KNU einen koreanischen Studenten zugewiesen bekommen. Dieser „Buddy“ war hauptsächlich als Anlaufstelle bei Problemen innerhalb des Studiums gedacht, konnte aber zu allem Möglichen angesprochen werden. Je nach Lust, Laune und allgemeiner Motivation aller Seiten konnte man mit ihm auch oft weitere Veranstaltungen, ob Abendessen oder sogar Wochenendtrips, veranstalten.
- Lim war der Buddy von Cedric und mir
- Moon gehörte zu Samuel & Stefan
31.08.2022 – Mittwoch
Heute war eine große Willkommens-Veranstaltung.
Hier sieht man mal, wie viele Internationals dieses Semester gemeinsam Korea unsicher machen – über 300!
Am Abend „feiert“ unsere wachsende Gruppe noch einmal den Unistart bis in den frühen Morgen hinein. Hier lernen wir auch das „Sugar-Joes“ kennen: Eine kleine Bar am „North-Gate“ – Ausgang der KNU. Hier werden wir demnächst noch ein paar Mal aufkreuzen, denn: Es ist gemütlich und hier wird Englisch verstanden.
Lasst die Uni beginnen
01.09.2022 – 02.09.2022 – Donnerstag – Freitag
Am Tag darauf ging es entsprechend leicht K.O. in den Unialltag. Leider stelle ich auch direkt fest, dass das 4. Modul „Machine Learning“ komplett in Koreanisch stattfinden wird. Da habe ich keine Chance und wähle es direkt über eine der vielen Apps der Universität ab.
Da waren es noch 3 Module: „Wireless Networks“, „Korea in Motion: Korean Films and the new wave“ und „Korean Language I“.
Viel mehr Kurse konnte ich auch nicht wählen, da ich mich im 5. Fachsemester Informatik befinde und entsprechend fast alle Module bestanden und fertig habe. Das kombiniert mit der geringen Wintersemester-Auswahl an englischen Kursen lies nicht viel Auswahl zurück.
Zu Korea und dessen Unigeschehen
Man soll in Korea überall dort Masken tragen, wo man ein Dach über dem Kopf hat. Und wenn man sie dann schon so oft trägt, wird sie sonst auch selten abgezogen. Corona ist jetzt kein Hauptthema, wie man es in Asien erwartet hätte, aber ähnlich Deutschland 2022 immer im Hintergrund. In der Uni hat man Plexiglasscheiben zwischen den Hörsaalplätzen und die Lehrer verwenden Mikrofone mit Lautsprechern, die in den Räumen verteilt sind.
Zwei größere Sonderheiten gibt es:
- Anwesenheit: Ist Pflicht und benotet: ~80% der Veranstaltungen müssen besucht werden, sonst ist man durchgefallen. Bedeutet aber auch, mit hoher Präsenz ist das Modul schon fast durch.
- Prüfungsform: In jedem Modul werden 2 Klausuren geschrieben: Midterm und ein Final. Zusammen mit Praktika, Hausaufgaben und Anwesenheit ergeben diese die finale Modulnote.
Den Rest kennt man aber: Vortragender Professor vorne und zuhörenden, schlafenden oder verzweifelnden Studenten auf den Sitzplätzen.
Ganz Nebenbei war Anfang Septemer gleich noch eine Naturkatastrophe in Korea und Japan: Der Taifun goes Supersturm „Hinnamnor“. Außer einem leicht intensiveren Windchen kriegt man davon aber nichts mit, außer dass es auf einmal nicht mehr so schwül ist. Das man im Stand nicht schwitzt, nutze ich für eine Joggingeinheit auf der Campus-Laufbahn aus.